Eine Kürzestfassung lesen Sie hier. Ergänzend empfehle ich Ihnen einen kurzen Beitrag des Bayrischen Rundfunks.

Dass zum bacteriographischen Malen ein passender Maluntergrund (Bühne) und ein gut erforschtes und umfangreiches Bakterien-Ensemble erforderlich ist, darf nun als bekannt vorausgesetzt werden.
Eine nicht zu unterschätzende Hürde muss auch noch bewältigt werden. Nämlich: bacteriographische Gemälde erhalten den für sie typischen Bildcharakter nur, wenn mit der aufgebrachten Farbe (der Bakterienaufschwemmung) ganz sparsam umgegangen wird. Anders gesagt: nach dem Malvorgang darf man nicht mehr sehen als vor dem Malen. Bringt man beim Malen bereits so viel Bakterienmasse auf, dass das Gemalte gesehen werden kann, lässt sich weder eine Interaktionsfarbe, noch irgendeine Struktur oder Effekt erzielen.
Die mangelnde Kommunikationsfähigkeit seitens der Organismen und der eingeschränkte Freiraum für die weitere Vermehrung verhindert die Entwicklung eines bacteriographischen Gemäldes.
Weniger ist also mehr…
Das Malen mit „quasi unsichtbaren Farben“ war und ist mit zahlreichen Malstudien verbunden. Ein Ende ist dabei nicht abzusehen. Die Kunst wird zur Wissenschaft und die Wissenschaft zur Kunst.
Wissenschaft und Kunst mussten einfach zu einander finden.
Johann Wolfang Goethe (28.08.1749 – 22.03.1832) dazu:
„Das Bild muss ähnlich entstehen wie die Natur selbst,
nur (…) so kann etwas entstehen,
was der Natur in etwa ebenbürtig, verwandt ist.“
Otto Modersohn
Lieber Leser, können Sie sich nun vorstellen, dass auf diese Art z.B. das Porträt von Louis Pasteur entstanden ist? Nähere Details dazu finden Sie im Kapitel Naturhistorisches Museum, Wien.
Bei Gemälden mit unscharfen (weichgezeichneten, verschwommenen) Grenzlinien wird mit Bakterien mit fast gleicher Hierarchiestufe gearbeitet. Dabei darf kaum übergreifend, sondern – die Areale des Vorgängers betreffend – nur dezent berührend gemalt werden.
Am nächsten Tag zeigt das Bild schon zarte Pastelltöne und es kann schon recht gut abgeschätzt werden, ob ein Fehler vorliegt oder nicht.
Wie Sie sich denken können, ist die Spannung sehr groß.
Gegen Schluss, üblicherweise nach 2 bis 3 Tagen, wird das Gemälde stündlich beobachtet. Nach Maximierung aller geplanten Effekte muss sofort der Konserviervorgang eingeleitet werden, der unter anderem die Erhitzung auf 100° C für mehrere Stunden vorsieht. Das bewirkt nicht nur das Abtöten der Bakterien, sondern auch die Inaktivierung aller Enzyme, die sonst noch chemisch nachwirken könnten, was der Stabilität der Gemälde abträglich wäre. Nach dem Abkühlen wird das Gemälde mit einer Firnisschicht versehen. Der „Firnis“, ist eine komplexe Mischung verschiedener Kunstharztypen, der von mir eigens entwickelt wurde. Die wesentlichen Eigenschaften sind eine hohe Affinität zum Papier, zur Appretur und nicht zuletzt zur Biomasse. Weiters muss er spannungsfrei auftrocknen und auch elastisch bleiben.
Auf all die hygienischen Kriterien, die es ermöglichen, dass während des Malens keine fremden Organismen, in erster Linie Schimmel, auf die Malfläche gelangen können, wird nicht näher eingegangen. Eine zentrale Rolle spielt jedenfalls eine sterile Werkbank. Diese wurde im Jahr 2000 von der Firma Szabo Scandic auf Dauer zur Verfügung gestellt.